Jury-Fehlentscheid: Grossmeister Lutzz in der Kritik

Mein aus Unachtsamkeit begangener Fehler am «Run This Town»-Freestyle-Battle vom vorletzten Samstag sorgte für heftiges Kopfschütteln bei Jury-Kollege, Moderator und Publikum. Eine Analyse der Tonbandaufnahmen zeigt nun, dass die Schuld nicht nur den Grossmeister trifft.

Olten. Zu physischer Gewalt sei es nicht gekommen, sagt Samuel «Samse» Rudolf von Rohr, «aber sie haben uns den Strom abgestellt». Der ansonsten als «Sanftmut-Sämi» bekannte Organisator des dritten «Run This Town»-Freestylebattles ist noch immer ungewohnt zornig, als sich Homeboys des im Achtelfinal ausgeschiedenen Zürcher Teilnehmers MCT für ihren Sabotageakt entschuldigen. «Raus, beide!», weist er die beiden Zürcher an. «So nicht», bläst Moderator Collie Herb ins selbe Horn (nh). Die zwei Zürcher entfernen sich schliesslich von der Paraiba-Bar-Bühne, auf welcher nun nach kurzer Pause das Viertelfinale beginnt.

Grund für den Unmut der beiden Zürcher Hombres ist ein Fehlentscheid der Jury, welcher Teilnehmer MCT im Achtelfinale ausscheiden liess. An diesem Fehlentscheid bin ich nicht ganz unschuldig. Als Ersatz für einen krankheitshalber ausgefallenen Juror bin ich spontan eingesprungen, um dem Freistil-Treiben neben den Aargauern Rap-Musikern Brauni und Slang N‘ Easy als Richter beizuwohnen. Bei der Begegnung zwischen Zürcher MCT und Oltner Gasch verliere ich aus unerklärlichen Gründen den Überblick und verwechsle die beiden Kontrahenten. Nach erfolgtem Battle stimme ich somit für Gasch, obwohl ich eigentlich MCT meine Stimme geben möchte. Ich verlasse mich dabei auf das Votum meines Vorsprechers Slang N‘ Easy, welcher, so mein Irrglaube, sich sicherlich für den technisch Besseren der beiden Battler entschieden haben wird. Wie sich später herausstellt, hat er dies nicht getan. Seine Stimme hat er bewusst an den technisch etwas schwächer daherkommenden Gasch vergeben, aus welchen Gründen auch immer. Gasch ist folglich eine Runde weiter, obwohl dies nicht meine Absicht gewesen ist.

Grosser Ärger nach Auflösung des Missverständnisses
Aufgrund der mehrmaligen Nachfrage durch seine Kollegen und auch MCT selbst, ob denn nun wirklich nicht MCT weiter sei, klärt sich das Missverständnis schliesslich kurz vor Beginn des Viertelfinals auf. Mit grossem Missfallen nimmt der dreadgelockte Host Collie Herb meinen Fehler zur Kenntnis und reagiert derart erbost, wie er es sonst nur tut, wenn man ihm gerade versehentlich seine meterlange Haarpracht abrasiert hat, obwohl man eigentlich nur die Spitzen hätte schneiden sollen. Verständlich, denn: Was dem jungen Gasch durch das soeben erlebte Wechselbad der Gefühle für ein emotionaler Schaden erwachsen sein muss, ist kaum zu ermessen. Klar ist: Er wird sich wohl in drei Jahrzehnten noch in einem intensiven Schockzustand befinden.

Dünnhaut-Host Herbs nachvollziehbar schlechte Stimmung schlägt sich kurz darauf im Versuch nieder, das Publikum gegen mich aufzuhetzen, als ich meinen Fehler öffentlich kommuniziere und die ganze Schuld für das ärgerliche Missverständnis auf meine starken, männlichen Schultern nehme:

Auch Spass-Aargauer Brauni entscheidet falsch
In beinahe noch grössere Rage wird Mitjuror Brauni versetzt, als ich meine Fehlleistung anerkenne: «Näi! Das chasch natürlich nöd machä!», klärt mich der Battle-Profi auf. «Ich han äxtra na ihn (Slang N‘ Easy) gfrogt», führt mich Brauni ins Geheimnis seines Nicht-Versagens ein und zeigt sich enttäuscht darüber, dass ich es ihm nicht gleich getan habe: «Hättsch ja chönnä frogä!».

Diesen Umständen verdankt Brauni im Übrigen eine seiner originellsten Bemerkungen des Abends. Indem er mit einem parodistischen Ausspruch auf meine missglückte Jury-Premiere Bezug nimmt, entlockt er dem Publikum einige bemerkenswerte Lacher:

Was Brauni dabei vergessen oder schlicht ignoriert hat: Er selbst hat auch für Gasch gestimmt:

Jury-Votum MCT vs. Gasch: Nach Slang N‘ Easy ist Lutzz und dann Spassmacher Brauni zu hören.
Nach der Wiederholung des Battles MCT vs. Gasch «bleibt» die Aargauer Frohnatur bei MCT.

 

Doch ob alkoholbedingter Gedächtnisverlust oder feiger Vertuschungsversuch: Stimmungskanone Brauni gehört weiterhin an jedes Freestyle-Battle, das in der Deutschschweiz stattfindet. Seine unvergleichliche Art, dem Moderator bei jeder Gelegenheit das Mikrofon zu entreissen, um einen noch besseren, durchdachteren Kommentar als dieser abzugeben, unterhält fraglos auf höchstem Niveau.

Lutzz und Brauni 2013 bei Kanal K.

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