{"id":2557,"date":"2011-05-18T03:00:00","date_gmt":"2011-05-18T02:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lutzz.ch\/?p=2557"},"modified":"2011-06-20T01:45:50","modified_gmt":"2011-06-19T23:45:50","slug":"ein-tag-im-leben-des-zettzett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lutzz.ch\/?p=2557","title":{"rendered":"Ein Tag im Leben des Zettzett"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">12.31 &#8211; Ich werde vom L\u00e4rm des Radioweckers aus dem Schlaf gerissen. Ich gebe mir noch 15 Minuten. Es werden 45 daraus, denn ich schlafe nochmals ein. Um 13.16 endet mein Traum von der \u00fcppigen Anna-Lena, die ich letzte Woche im Ausgang kennenlernen durfte. Ich stehe auf, um mich ins Bad zu begeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13.20 &#8211; Der Tag beginnt mit einer wohltuenden, 60-min\u00fctigen Dusche. Begleitet vom motivierenden Sound aus der iTunes-Playlist &#171;Simply The Best Shit There Is&#187;, der aus dem Wireless Lautsprecher kommt, den ich auf dem Spiegelkasten platziert habe, mache ich Pl\u00e4ne f\u00fcr den heutigen Tag. Nebst zwingenden T\u00e4tigkeiten wie Essen, TV und Nachmittagsschl\u00e4fchen, lasse ich mir auch etwas Spielraum f\u00fcr spontane Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.32 &#8211; Frisch geduscht verlasse ich das Badzimmer und begebe mich vor meinen Kleiderschrank, um mir etwas passendes herauszusuchen. Dabei lege ich Wert auf farbliche Harmonie. Vom T-Shirt bis zur Unterw\u00e4sche sollte alles zusammenpassen, auch heute wieder. Um dem tr\u00fcben Wetter etwas entgegenzusetzen, entscheide ich mich f\u00fcr ein grelles Sonnenblumengelb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.56 &#8211; Die Tiefk\u00fchlpizza &#171;Pizza Giovanni &#8211; Calabrese&#187; ist fertig. Exakt 12 Minuten nach Einschieben des Backbleches, auf welches ich die K\u00f6stlichkeit platziert habe, entnehme ich es dem zuvor auf 250 Grad Celsius vorgeheizten Elektrobackofen wieder. &#171;Perfecto&#187;, w\u00fcrde der Italiener jetzt vermutlich sagen. Ich als Deutschschweizer nenne soeben Erzeugtes schlicht &#171;vou nice&#187;. Die Pizza findet sich kurz darauf auf einem Teller wieder, der sich auf dem Esstisch vor dem laufenden Fernseher befindet. Ein Eistee beinhaltendes Trinkglas gesellt sich dazu. Der Gaumenschmaus beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15.13 &#8211; Der Gaumenschmaus endet. Im TV l\u00e4uft mittlerweile &#171;Mein Cooler Onkel Charlie&#187;. Ich schaue mir die laufende und die darauffolgende Folge an, in der Hoffnung, es k\u00f6nnte irgendwann lustig werden. Ich werde entt\u00e4uscht. Das nur leicht \u00fcbertrieben wirkende Gel\u00e4chter aus dem Off vermag es nicht, mich anzustecken. Ich erinnere mich an das eine Mal, als ich die Sendung ansatzweise witzig fand. Ich stand damals unter dem Einfluss von Cannabis. Aber nun, in n\u00fcchternem Zustand&#8230;nein, Danke. Ich wechsle zum Sender KiKa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16.11 &#8211; Zeit, etwas produktiv zu werden. Ich schreibe ein wenig weiter am Text f\u00fcr das Feature mit Collie Herb. Das Thema sei Alltagsstress, meinte er, wof\u00fcr ich mich aber momentan nicht begeistern kann. Ich schreibe etwas \u00fcber Nutten und M\u00f6pse. 4 Takte und 30 Minuten sp\u00e4ter verl\u00e4sst mich meine Fantasie. Ich schliesse Word, und widme mich einem erfrischenden Youporn-Clip.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17.02 &#8211; Nun checke ich mal Facebook ab. Gespannt warte ich darauf, dass sich die Seite l\u00e4dt. &#171;Ah&#187;, denke ich, &#171;3 neue Messages und 4 neue Notifications&#187; (Um mich nach Annahme der Minarettinitiative von der deutschsprachigen Schweiz zu distanzieren, hatte ich damals zu Englisch als Betriebssprache f\u00fcr mein Facebook gewechselt. Ausserdem vermittelt ein englisch beschriftetes Facebook ein Gef\u00fchl ausgepr\u00e4gter Coolness.). Zun\u00e4chst klicke ich die Messages an. Super! Anna-Lena, die ich letzte Woche im Ausgang kennenlernen durfte, meldet sich doch noch. Ja, sie sei noch gut nach Hause gekommen, antwortet sie auf meine originelle Frage, ob sie denn noch gut nach Hause gekommen sei. Ich sei auch gut nach Hause gekommen, m\u00f6chte ich zun\u00e4chst auf ihre Anschlussfrage, ob ich denn auch noch gut nach Hause gekommen sei, antworten, \u00fcberlege es mir dann aber anders und versuche es mit einem Witz. Schliesslich stehen Frauen auf Humor. Nein, schreibe ich also, ich sei auf halbem Nachhauseweg von einer r\u00fcstigen Rentnerin vergewaltigt worden. Man habe rasch gemerkt, dass sie nicht unerfahren ist. Nat\u00fcrlich habe ich dabei die ganze zeit an sie, Anna-Lena, gedacht, um mir die Tortur etwas zu vers\u00fcssen. Schliesslich stehen Frauen auf Komplimente.<br \/>\nNach bet\u00e4tigen des &#171;Send&#187;-Knopfes \u00f6ffne ich die n\u00e4chste Nachricht. Werbung f\u00fcr eine offenbar super-geile Party.<br \/>\nIch \u00f6ffne die verbleibende Nachricht. Ein gewisser Konzertveranstalter mit Namen Fabian w\u00fcrde gerne wissen, ob ich Lust h\u00e4tte, an ihrer &#171;Headbang Hiphop Night&#187; in irgendeinem Lokal in irgendeinem Kaff aufzutreten. Ich mache ihm die Bedingungen klar: &#171;Hallo Fabian. Besten Dank f\u00fcr Dein Interesse. Die Gage f\u00fcr mich, meinen Backup MC und meinen DJ betr\u00e4gt derzeit CHF 500. Wir trinken alles gratis, und zudem ist uns eine Flasche &#171;Tomatin 15 Year Old&#187; zur Verf\u00fcgung zu stellen. Wir verf\u00fcgen \u00fcber 10 G\u00e4stelistepl\u00e4tze. Ausserdem haben wir vor sowie nach dem Auftritt Anspruch auf eine Prostituierte mittleren Alters, je 1 Stunde lang (angemessene Substitute sind auch m\u00f6glich). Schliesslich hat uns ein Fahrer vom Bahnhof abzuholen, und uns nach dem Event dort hinzubringen. Wir w\u00fcrden uns \u00fcber ein Zustandekommen des Auftritts freuen. Beste Gr\u00fcsse, der Zettzett.&#187;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18.40 &#8211; Die abendliche Tiefk\u00fchlpizza ist bald fertig. Diesmal setzt sich ihr Belag nebst der Tomatensauce und dem K\u00e4se aus Pilzen und Schinken zusammen. Sie ist fertig. Ich esse sie. Im TV l\u00e4uft &#171;glanz &amp; gloria&#187;. Ich rege mich auf, bleibe aber dran, bis ich Naomi Campbell gesehen habe. Ich hoffe, es lohnt sich, mir den ganzen vorangehenden Scheiss anzutun. Zun\u00e4chst jedoch eine \u00fcberraschend gute Meldung. Die neue langweilige Kochsendung hat SF bereits wieder abgesetzt. Die zweite, bereits produzierte Staffel, wird nicht gesendet werden. Ich sehe, mit den Billaggeb\u00fchren wird \u00e4usserst verantwortungsvoll umgegangen. Boris Becker schwafelt irgendwas irrelevantes von seinem Sohn. Jetzt aber. Models. Wo ist die geile Naomi? Ah, endlich. Was zum Fick? Ich werde entt\u00e4uscht. Nach 3 Sekunden ist der Spass vorbei. Scheiss Wichser von Redaktoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19.28 &#8211; Es ist Zeit f\u00fcr ein erstes von wohl wieder vielen Dosenbieren. Feinstes Coop Prix Garantie. Das erste gen\u00fcsslich trinkend, schaue ich mir die Tagesschau an. DSK, der alte Strolch. Nun also doch Sex. Einer meiner Kollegen meinte, man k\u00f6nnte doch jetzt auch ihn unterst\u00fctzen, so \u00e0 la &#171;Heb d\u00f6re!&#187;. Doch dieser Strauss-Kahn scheint mir nicht halb so sympathisch wie der gute J\u00f6rg. Letzterer hatte es problemlos geschafft, bei Verlassen des Gerichtssaals in die Kameras zu l\u00e4cheln. Strauss-Kahn verzieht hingegen keine Miene, als die Fotografen zuf\u00e4lligerweise auf ihn und die ihn begleitenden Polizisten treffen. So einen unterst\u00fctzen wir keinesfalls, ist er doch zudem auch noch einer jener stinkenden Froschfresser, die uns am Eurovision Song Contest keinen einzigen Punkt gegeben haben. Scheiss Baguette-Wichser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.02 &#8211; Wiedermal Facebook checken. Anna-Lena hat noch nicht zur\u00fcckgeschrieben. Hat sie meinen Witz wohl als solchen erkannt? Naja, falls nicht, auch egal. Denn ich habe da ja noch etwas anderes im K\u00f6cher: Julia, die Rapperin aus dem Thurgau. Ich habe ihr k\u00fcrzlich mal eine Featureanfrage per E-Mail zukommen lassen. Die Antwort erfolgt sicherlich bald. Wer weiss, vielleicht w\u00fcrde sich die Zusammenarbeit nicht nur aufs Musikalische beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.47 &#8211; Ab ins Studio! Um 21 Uhr habe ich dort mit Freaky Fridolin abgemacht. Wir wollen einen weiteren Song f\u00fcr mein bald erscheinendes Mixtape aufnehmen. Leider habe ich das Textblatt zuhause vergessen. Macht aber nichts, ich freestyle stattdessen einfach etwas lustiges. Der Song handelt von Nutten und M\u00f6psen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23.58 &#8211; Nachdem ich Freaky Fridolin am Bahnhof abgesetzt habe, fahre ich noch kurz in die Oltner Industrie. Leider steht Svetlana heute an keinem Strassenrand. Ich fahre nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">00.15 &#8211; Zeit f\u00fcr ein feines Glas Whisky! Dabei checke ich erneut das Facebook ab. Immer noch keine Antwort von Anna-Lena, dieser humorlosen Sau. Ich schreibe sie mal ab. Einen Status k\u00f6nnte ich eigentlich auch wieder einmal schreiben. &#171;Ficken ist, was du draus machst!&#187;. Klingt doch einleuchtend, und weise zugleich. Ich dr\u00fccke das &#171;Gef\u00e4llt mir&#187; unter meinem neuen Status.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">00.37 &#8211; Ich frage mich, wie sp\u00e4t es eigentlich ist. Ein Blick auf die Uhr verr\u00e4t mir: 00.38. Noch viel zu fr\u00fch f\u00fcr Schlaf. Ich besuche meine Youtube-Seite, das erste Mal innert 24 Stunden, und informiere mich \u00fcber die neuesten Viewerzahlen. Aha, denke ich, Freaky Fridolins &#171;Freaky Friday&#187; hat es \u00fcber 500 Clicks geschafft. Freut mich f\u00fcr ihn. Gleichzeitig muss ich feststellen, dass wieder irgendein beschr\u00e4nkter Wichser den &#171;Mag ich nicht&#187;-Knopf bet\u00e4tigt hat. Manche Leute haben echt keine Ahnung, was einen guten Rap auszeichnet. Entweder ist es ihnen nicht &#171;real&#187; genug, weil ein, zwei Male der Begriff &#171;Bitch&#187; vorkommt. Oder dann gef\u00e4llt ihnen der Ostschweizer Dialekt nicht. Tja. Wichser, allesamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">01.25 &#8211; Nach etwas rumsurfen auf Youtube entdecke ich einen Ami-Rapsong mit interessantem Beat. Diesen Beat lade ich mir runter, nachdem ich ein Exemplar davon mittels Google ausfindig gemacht habe. Sogleich beginne ich, einen passenden Text dazu zu schreiben. Der Varianz halber handelt er diesmal nicht von Nutten und M\u00f6psen. Nein, diesmal handelt er von Muschis und Huren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.36 &#8211; Drei Gl\u00e4ser Whisky sp\u00e4ter steht der Text. Ganze 40 Takte purer Rap, ohne unn\u00f6tigen Refrain. Und nebst Muschis und Huren handelt er nun sogar noch von der Frage, ob Schweizer Vieh H\u00f6rner tragen d\u00fcrfen soll, oder nicht, und ob H\u00f6rner dranlassende Viehhalter subventioniert werden sollten. Also, zumindest wird diese Thematik in ein, zwei Takten angeschnitten. Super Sache, denke ich mir, ich kann ja doch eins auf politisch machen, wenn ich nur will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.54 &#8211; Das an diesem Abend sechste Glas Whisky l\u00e4sst mich etwas m\u00fcde werden. Noch ein wenig Musik zum einpennen, denke ich mir, und haue noch kurz den Bligg rein. Klappt bestens. Nach 15 Sekunden stellt mein Organismus auf Schlaf um, um sich nicht noch mehr der gr\u00e4sslich fantasielosen Bligg-Rhymes anh\u00f6ren zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.31 &#8211; Ich werde vom L\u00e4rm des Radioweckers aus dem Schlaf gerissen. Ich gebe mir noch 15 Minuten. Es werden 45 daraus, denn ich schlafe nochmals ein. 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