{"id":2373,"date":"2011-02-28T04:08:08","date_gmt":"2011-02-28T03:08:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lutzz.ch\/?p=2373"},"modified":"2012-07-24T13:15:57","modified_gmt":"2012-07-24T11:15:57","slug":"bandenkrieg-auf-dem-dorfe-die-saga-beginnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lutzz.ch\/?p=2373","title":{"rendered":"Bandenkrieg auf dem Dorfe: Die Saga beginnt"},"content":{"rendered":"<p>Folgende Geschichte trug sich in einem innerschweizerischen Bergdorf zu, nennen wir es Hinterfotzelen NW. Hinterfotzelen NW, ein beschaulicher Ort in aussichtsreich hoher Lage, wo der Gemeindeamman ein CVPler, die Landwirtschaft noch pr\u00e4sent und die Steuern tief sind. Man w\u00fcrde zun\u00e4chst nicht vermuten, dass es innerhalb dieser konservativ-katholischen Bev\u00f6lkerung viele Leute gibt, die sich dem Zelebrieren der Hiphop-Kultur verschrieben haben. Doch wie die meisten Pubertierenden, die nach neuen Identifikationsfiguren suchen, so gab es auch hier einige, die empf\u00e4nglich waren f\u00fcr die rebellischen Aussagen der sich maskulin und vermeintlich ehrenhaft verhaltenden Musiker, die als Rapper bekannt sind. Und so kam es, dass sich ein Teil der Dorfjugend zusammentat, um ebendieses Verhalten m\u00f6glichst detailgetreu nachzuahmen, und Kleidungs- wie Sprechstil zu imitieren.<\/p>\n<p>Die zun\u00e4chst einzige Gruppierung dieser sonderlichen Dorfbewohner wurde zweigeteilt, als G\u00e4ngschter-Seppli, so nannte man ihn, sich im Sommer 2002 erlaubte, die damalige Freundin von Jimmy D-Lo, so nannte er sich, nach einer intensiven Dorfparty zu sich nach Hause mitzunehmen, um sie zu schw\u00e4ngern. Das Ganze kam nur raus, weil Fritz M\u00e4chler, Vater von G\u00e4ngschter-Seppli, welchen er nicht G\u00e4ngschter-Seppli, sondern Markus nannte, am darauffolgenden Morgen mitbekam, wie Jimmy D-Los Freundin breiten Ganges sein Haus verliess. Davon berichtete Fritz M\u00e4chler dann dem Vater der jungen Dame. Es ginge doch nicht an, dass sich die Tochter des Gemeindeammans durchs halbe Dorf schl\u00e4ft, wo sei man denn eigentlich. Und wie es in einem Dorf halt meist der Fall ist, wusste dessen ganze Bev\u00f6lkerung nach kurzer Zeit Bescheid \u00fcber den Vorfall. Das Kind, G\u00e4ngschter-Seppli wollte zun\u00e4chst die Schule abbrechen und erfolgreicher Rapper werden, um so dem Kind ein Leben im Luxus zu erm\u00f6glichen, wurde bereits im ersten Monat der Schwangerschaft abgetrieben. Dass Seppli der Vater sein musste, ergab sich aus dem Umstand, dass Jimmy D-Lo w\u00e4hrend des Zeitraums der Begattung in den Skiferien war. Verst\u00e4ndlicherweise war er ziemlich unerfreut \u00fcber dieses Ereignis, wollte gar mittels der v\u00e4terlichen Offizierspistole Rache \u00fcben, revidierte seine Vergeltungspl\u00e4ne jedoch nach einem Gespr\u00e4ch mit dem Dorfpfarrer, den er seit seiner Zeit als Ministrant regelm\u00e4ssig aufsuchte, um zu beichten und Probleme zu bereden, und entschied sich schliesslich daf\u00fcr, seiner neuen Exfreundin und seinem neuen Erzfeind lebensl\u00e4nglich Verachtung entgegenzubringen. Die restlichen Mitglieder der lokalen Hiphop-Gemeinde hatten sich zu entscheiden, auf welche Seite sie sich schlagen wollen, und taten dies nicht aufgrund moralischer \u00dcberlegungen, sondern anhand der Sympathien, die sie f\u00fcr Jimmy und Seppli hatten. Zwei Banden waren geboren, die bereit waren, sich mit den \u00fcbelsten Streichen gegenseitig das Leben schwer zu machen, und notfalls gar Gewalt anzuwenden, verbale wie physische.<\/p>\n<p>Die South-South-Eastside Powerbangaz, f\u00fcr deren Namen wie F\u00fchrung G\u00e4ngschter-Seppli verantwortlich war, bestanden aus 12 Mann und 5 Frauen, ihre Gangfarbe war Burgunderrot, die Farbe des Blutes, drei der 12 Mann waren Cannabisspezialisten, zwei davon Alkoholbesorgungsbeauftragte, zwei waren f\u00fcr die Recherche nach sehenswerten Pornofilmen zust\u00e4ndig, und der Rest hatte keine spezifische Aufgabe, war jedoch angehalten, nach primitiver Rapmusik zu suchen und auf Funde hinzuweisen. Peter M\u00e4chler, Onkel von G\u00e4ngschter-Seppli, hatte der Bande seine Scheune als Ganglokal \u00fcberlassen, um im Gegenzug \u00fcber die sehenswerten Pornofilme informiert zu werden. Alte Sofas und Tische, eine Leinwand mit Beamer, diverse Videospielkonsolen, eine reichhaltige Sammlung an Pornofilmen, eine Bar und ein K\u00fchlschrank befanden sich darin. Ausserdem verf\u00fcgte ihr Bandenlokal \u00fcber eine kleine, tiefe B\u00fchne, auf welcher ein gut ausger\u00fcstetes DJ-Pult und zwei Monitorboxen standen, und drei Shure SM 58-Mikrofone lagen. Vor der B\u00fchne standen zwei leistungsstarke Lautsprecher. Das sogenannte Freestylen geh\u00f6rte zu den Hauptaktivit\u00e4ten der Gang, denen man hier nach Feierabend oder Schulschluss bei einigen Bieren nachging. Nicht alle waren talentiert, freestyleten aber dennoch. Thematische Tabus gab es dabei kaum. Es durfte, auch bei Anwesenheit von weiblichen Mitgliedern, \u00fcber M\u00f6sen, F\u00fctze, \u00c4rsche, Titten, Hupen, M\u00f6pse, Muschis, Vaginas, triefende Fickl\u00f6cher, bevorzugte Bumseing\u00e4nge, M\u00f6sen, \u00c4rsche, Titten, und damit verbundene Aktivit\u00e4ten gefreestylet werden. Einzig politische Themen durften nicht angesprochen werden, da sich unter den Gangmitgliedern CVP-, FDP- sowie SVP-Sympathisanten und -W\u00e4hler befanden, und nicht \u00fcber alle Sachverhalte Einigkeit herrschte.<\/p>\n<p>Eine weitere Hauptt\u00e4tigkeit war das Aushecken von Pl\u00e4nen zur Dem\u00fctigung der gegnerischen Gang. Zur Gangversammlung traf man sich jede zweite Woche am Sonntagabend, setzte sich an zwei nebeneinander stehende Tische, trank sein Bier und diskutierte aktuelle Vorhaben. Es brauchte eine einfache Mehrheit, um Vorschl\u00e4ge anzunehmen, Bandenboss G\u00e4ngschter-Seppli verf\u00fcgte aber \u00fcber ein absolutes Vetorecht. Seinen zwei Capitani, Psycho Andy und Eichhof David, war es m\u00f6glich, ein suspensives Veto einzulegen.<br \/>\nZu Beginn der Sitzung hatte eines der weiblichen Mitglieder jeweils einen kurzen Striptease hinzulegen, um diese offiziell zu er\u00f6ffnen. Damit die f\u00fcnf Damen einen entsprechenden Migros Klubschule-Kurs besuchen konnten, hatte man extra einen nicht kleinen Teil des Gangverm\u00f6gens investiert. Wirklich gelohnt hatte sich dies nach Meinung der meisten Gangmitglieder jedoch nicht. Heute war Julia wieder an der Reihe, die Sitzung zu er\u00f6ffnen, und wie immer schien es f\u00fcr sie ein Ding der Unm\u00f6glichkeit zu sein, sich im Takt von Lil&#8250; Jons &#171;Get Low&#187; zu bewegen, geschweige denn, dabei besonders sexy zu wirken. Klar, die Gr\u00f6sse ihres Hinterns war definitiv die eindr\u00fccklichste, welche die f\u00fcnf Gangdamen zu bieten hatten. Sie war eigentlich auch noch ganz h\u00fcbsch, und ihr minimes \u00dcbergewicht stellte bisher auch nie ein Problem dar. Nur eben das Strippen war nicht gerade ihre gr\u00f6sste St\u00e4rke. Der bereits dritte Versuch von Crazy Cowboy, Julia von ihren Stripverpflichtungen zu befreien, scheiterte erst vor einem Monat wieder am Veto des Bosses. Begr\u00fcndet hatte er dies jeweils damit, der Gangzusammenhalt k\u00f6nne darunter leiden.<br \/>\nJulia war mit dem Strippen bei ihrer, in der Gangfarbe gehaltenen Reizw\u00e4sche angelangt. Weiter musste sie nicht, durfte sie aber nat\u00fcrlich gehen. Heute beliess sie es beim Entbl\u00f6ssen ihrer linken Brustwarze, welche f\u00fcr zwei Sekunden zu sehen war. Die Gang applaudierte, einige riefen passende Ausdr\u00fccke wie &#171;geile Sau&#187; oder &#171;nice boobies&#187; aus. Darauf folgte das gemeinsame Aufsagen des Gangmottos, welches f\u00fcr dieses Jahr &#171;Figg\u00e4, V\u00f6gl\u00e4, Bums\u00e4, gloyb mer, i bechum s\u00e4, Ehre, Stolz und Alkohol, denn\u00e4 isch eys alln\u00e4 wohl&#187; lautete. Fickmeister Ferdinand, einer der \u00e4lteren Dazugeh\u00f6rigen, wurde mit der Leitung der Sitzung beauftragt, Krassomaten Freddy war bereit, das Protokoll in sein neues, burgunderrotes MacBook einzut\u00f6ggeln.<br \/>\nDer erste Hauptpunkt auf der Traktandenliste war die Festlegung des Datums der n\u00e4chsten Gangstaparty. Man entschied sich relativ rasch f\u00fcr den Samstag, welcher auf den bevorstehenden Geburtstag des Chefs folgte.<br \/>\nZweiter Punkt: Wahl eines Motives f\u00fcr das neue Gang T-Shirt. Krassomaten Freddy liess die eingereichten Vorschl\u00e4ge auf der Leinwand erscheinen. Darunter viele halbprofessionelle Graffiti, welche, konnte man sie denn entziffern, den Gangnamen wiedergaben. Doch auch originellere, mittels Photoshop entstandene Vorschl\u00e4ge waren dabei. Einer davon zeigte das Ganglogo, ein abgetriebener F\u00f6tus, der an den Grund f\u00fcr die Entstehung der Gang mahnen sollte. Weitere Motive zeigten nackte Frauen oder Alkoholika, unterschrieben mit lustigen Spr\u00fcchen wie beispielsweise &#171;Wir sind der Beweis &#8211; Bier macht sch\u00f6n&#187;. Klar war bereits, dass das Gangmotto auf dem R\u00fccken zu stehen hatte. Das Rennen f\u00fcr die Front machte schliesslich Koital K\u00f6bis stilisierte Darstellung einer unrasierten Vulva, \u00fcber welche er ein Fadenkreuz gelegt hatte.\u00a0Anschliessend war es Zeit f\u00fcr eine kurze Toilettenpause.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none; overflow: hidden; width: 450px; height: 80px;\" src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.lutzz.ch%2F%3Fp%3D2373&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=450&amp;action=like&amp;font=arial&amp;colorscheme=light&amp;height=80\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" width=\"320\" height=\"240\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgende Geschichte trug sich in einem innerschweizerischen Bergdorf zu, nennen wir es Hinterfotzelen NW. Hinterfotzelen NW, ein beschaulicher Ort in aussichtsreich hoher Lage, wo der Gemeindeamman ein CVPler, die Landwirtschaft noch pr\u00e4sent und die Steuern tief sind. 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