Freistil (2)

Direkt nach dem Schreiben einer fordernden Prüfung in Bern nahm ich den Zug nach St. Gallen, in welchem ich zweieinhalb Stunden Zeit hatte, um drei Whiskycola zu trinken, circa sechs Punchlines auswendig zu lernen und mit Beats ab dem MP3player im Ohr noch etwas zu freistilen.

Die Erwartungen waren eher tief angesiedelt wie meine verwaschene Levisjeans, ein Erreichen der ersten Runde hätte mir genügt. Zur angekündigten Vorstellungsrunde kams aber nicht, und so gings direkt los, erste Runde gegen einen lokalen Ostschweizer. Die überwältigende Nervosität erlaubte es kaum, irgendeine der vorbereiteten Vergleiche in Erinnerung zu rufen, und so blieb nichts anderes, als irgendwelche sinn- und niveaulose Scheisse von sich zu geben. Mein Gegner muss allerdings ziemlich schlecht gewesen sein, nämlich noch schlechter als ich und so war die zweite Runde nach einer kurzen Verlängerung der ersten zwecks Ermöglichung einer etwas klareren Entscheidung erreicht. Der Forderung eines Zuhörers, beide ausscheiden zu lassen, wurde nicht nachgekommen.

Die Zwete lief einiges besser, denn dank Doublerhymetechnik und Einsatz der Punchlines wurde der gegnerische Zürcher relativ klar geschlagen. Ich bemängelte seine zum Oberteil farblich nicht passende Kopfbedeckung und bezeichnete ihn als hässlichen Wichser mit schlechtem Atem, das reichte.

Runde 3, die dann bereits das Halbfinale war, konnte ich trotz weiteren guten Vergleichen nicht für mich entscheiden, der schriftdeutschrappende Kontrahent überzeugte Jury und Publikum etwas mehr. Dessen Finalgegner war danach Swatch, der aber ebenfalls unterlag, zu unrecht, wie er selbst fand. Dass Hochdeutsch etwas besser klingen mag, als ein Ostschweizer Dialekt, und deshalb nicht-fachkundige Leute ihre Sympathien entsprechend verteilen, wird nebst der schlechten akustischen Qualität der Tonanlage wohl ein Faktor gewesen sein, nebst anderen.

Den Zorn Swatches bekam dann unter anderen eine etwas beleibte Besucherin zu spüren, die beim Verlassen der Bar in der Tür stand: «Mach Platz, du verstopfsch de Usgang!»

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